Die Gedenkstätte Amthordurchgang und das Bundesarchiv-Stasiunterlagen-Archiv in Gera laden zu Film und Vortrag von Hartmut Rüffert (Produzent): „Cancrin – eine Geschichte des 17. Juni 1953“ am 17. Juni 2026 in die Kaierwerke Gera ein.
Wann: am 17. Juni, 18 Uhr
Wo: Kaiserwerke, Rudolf-Diener-Straße 4 in Gera
Eintritt: kostenfrei. Um Spende wird gebeten.
Hintergrund
Heute steht der 17. Juni 1953 vor allem für den Mut der Menschen, die sich gegen ein autoritäres System zur Wehr gesetzt haben. Einer unter ihnen war Eberhard von Cancrin, Arbeiter aus Geithain. Am Morgen des 18. Juni 1953 fuhr er zur Arbeit in die Espenhainer Brikettfabrik, wo er als Mühlenwärter tätig war. Seitdem ist er verschwunden.
Zum Film
Der Dokumentarfilm erzählt seine Geschichte. Er nutzt Ausschnitte des Dokumentarfilmes „Schornsteinleben“, den der Autor im Jahr 1990 produziert hat und in dem das Leben der Menschen in den Dörfern um das Espenhainer Braunkohlekombinat in der Zeit des politischen Umbruchs von 1990 dokumentiert wird. Aus diesem Film heraus erweitert er die Geschichte um Eberhard von Cancrin mit Hintergründen und neuen Erkenntnissen. Im Film schildert die Witwe des Opfers, Ruth von Cancrin, ihren verzweifelten Kampf, das Schicksal ihres Mannes und Vaters ihrer Kinder aufzuklären. Trotz aller Anstrengungen und Nachforschungen ist der Tod Eberhard von Cancrins noch immer ungeklärt. Den Töchtern ist es bisher nicht gelungen, die lang ersehnte Rehabilitierung des Vaters zu erwirken. So bleibt ihnen nur der Schmerz um den Vater sowie die zermürbende und nicht enden wollende Sehnsucht nach Wahrheit und Gewissheit.
Zur Person Hartmut Rüffert
Der Produzent Hartmut Rüffert (geb. 1965 in Nossen) zeigt an diesem Abend seinen 2023 produzierten Film, „Cancrin – eine Geschichte des 17. Juni 1953“, den er bevorzugt an Orten staatlicher Repression und bei Vereinen mit DDR-Aufarbeitungshintergrund zur Aufführung bringt. Hartmut Rüffert berichtet über die spannende Recherche zu diesem besonderen Fall des Eberhard von Cancrin, unter anderem im Stasi-Unterlagenarchiv, und erzählt über seine Beweggründe, diesen Film zu produzieren.
Hartmut Rüfferts Kritik am System der DDR begleitet ihn von früher Jugend an bis zum Ende der DDR. Wegen des Sammelns von Unterschriften für die Zulassung des NEUEN FORUM geriet er im Oktober 1989 kurzzeitig in Haft. Bis Sommer 1998 war er ehrenamtlicher Geschäftsführer des NEUEN FORUM Borna. 2022 ist er Mitbegründer der Initiative Opposition und Widerstand in SBZ und DDR in Leipzig. Er beteiligt sich an diversen Einzelprojekten wie „Künstler in Haft“ und setzt sich mit der Geschichte oppositioneller Gruppen in der DDR auseinander.