Kommende Veranstaltungen

 

„Zwischen Anpassung und Widerstand. Dialog über Lebensentwürfe in der DDR“

Gespräch zwischen Landesbeauftragtem Dr. Peter Wurschi und Bundesbeauftragtem Roland Jahn

Der Landesbeauftragte Dr. Peter Wurschi spricht am 16. November 2019 in der Gedenkstätte Amthordurchgang (Amthordurchgang 9, 07545 Gera) um 18:00 Uhr mit dem Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen, Roland Jahn, über dessen Buch „Wir Angepassten: Überleben in der DDR“.

"Seid bereit, immer bereit." Das Bekenntnis zum Staat wurde schon den Kindern in der Schule abverlangt. Von Schulaufsätzen bis Doktorarbeiten, Zitate des Staatsratsvorsitzenden Erich Honeckers wurden erwartet. Bei den Wahlen galt es, vor den Augen der Funktionäre die vorgegebenen Kandidaten abzunicken. Hatte man eine Wahl? War es verwerflich, die DDR-Fahne vor dem Haus aufzuhängen, um sicherzugehen, dass das eigene Kind studieren darf? Solchen und ähnlichen Fragen haben sich viele Menschen in der DDR stellen müssen.

Roland Jahn, selbst ein „Rädchen im Mechanismus der Diktatur“, bevor er sich verweigerte und Menschenrechte einforderte, erzählt im Rahmen der Veranstaltung von den Zumutungen des Alltags in der DDR. Im Gespräch mit Dr. Peter Wurschi versucht der Bundesbeauftragte zu ergründen, warum sich so viele Menschen den Vorgaben des SED-Staates angepasst haben. Wie groß war letztlich der Spielraum, den der Einzelne hatte? Roland Jahn geht es nicht um Schuldzuweisungen, sondern um die Frage nach der Verantwortung des Einzelnen. Hätte man auch anders handeln können? Was wäre der Preis gewesen? Für einen selbst, für andere? Es gibt keine einfache Wahrheit. Roland Jahn will keine Abrechnung, sondern sucht nach Erklärungen. Gemeinsam mit dem Thüringer Landesbeauftragten möchte er mit dem Publikum diese Fragen diskutieren.

Der Gesprächsabend findet im Rahmen der Geraer Veranstaltungsreihe "30 Jahre Friedliche Revolution" statt, Kooperationspartner: Landesbeauftragter des Freistaates Thüringen zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. Der Eintritt ist frei.

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Hier finden Sie das aktuelle Programmheft mit dem Titel: 30 Jahre Friedliche Revolution. Immer noch ein Grund zum Feiern?

 

 

Rückblick

Klassiker Matinee: Der geteilte Himmel

Film + Gespräch am 10.11. 2019, 14:00 Uhr

In Kooperation mit der DEFA - Stiftung und der Gedenkstätte Amthordurchgang e.V.

Nach einer Nervenkrise kommt Rita Seidel in das kleine Dorf zurück, in dem sie aufgewachsen ist, und blickt zurück auf die vergangenen Jahre: Als junges Mädchen hatte sie sich in den zehn Jahre älteren Chemiker Manfred verliebt. Er nimmt sie mit in die Stadt, fordert sie heraus. Sie beginnt ein Lehrerstudium. Doch ihre Beziehung ist Belastungen ausgesetzt. Es gibt Konflikte mit seinen spießigen Eltern, auch im Betrieb hat er Schwierigkeiten. Er wird immer zynischer sich selbst und seiner Umwelt gegenüber. Als man sein neuentwickeltes Verfahren, auf das er große Hoffnungen gesetzt hatte, im Betrieb ohne Begründung ablehnt, geht er verbittert nach Westberlin. Rita besucht ihn zwar, kehrt aber enttäuscht zurück. Sie bleibt im Osten.

Der Film von Konrad Wolf nach dem Roman von Christa Wolf wurde nach seiner Premiere immer wieder und mit unterschiedlichen Begründungen verboten. Heute zählt er zu den wichtigsten deutschen Filmen, die schon sehr früh das Thema der deutschen Teilung auf differenzierte Weise bearbeiteten.

Regie: Konrad Wolf, DEFA-Studio für Spielfilme,1964, FSK 16, 110 Min, s/w

Das Filmgespräch im Anschluß:

Wir freuen uns sehr, das zum Filmgespräch Frau Dr. Therese Hörnigk, die Vorstandsvorsitzende der Christa Wolf Gesellschaft, anwesend sein wird, um mit uns und Ihnen ins Gespräch zu kommen über das Erbe von Kunst und Künstlern der DDR, das bis ins Heute hinein wirkt.

Moderation: Caren Pfeil und Frank Karbstein

 

 

26.10.2019, 15 Uhr

Stadtrundgang: Auf den Spuren der friedlichen Demonstrationen

Die Friedensbewegung der 1980er Jahre mit ihren Demonstrationen, Gebeten und Kundgebungen hatte auch in Gera Menschen zusammengeführt und zu diversen Aktionen bewegt. Einer von ihnen ist Heiko Knorr, der nun einlädt, bei einem Stadtrundgang den Verlauf der friedlichen Demonstrationen in Gera nachzuvollziehen.
Heiko Knorr ist Vereinsmitglied der Gedenkstätte Amthordurchgang und weiß einige Geschichten und Schicksale hinter den Häuserfassaden und an den Straßenecken zu
berichten. Auf seinem Stadtrundgang begleiten ihn Ensemblemitglieder des Theaters Altenburg-Gera, die aus Zeitzeugenberichten und Prozessakten lesen, sodass sich das Publikum ein vielseitiges und lebendiges Bild darüber machen
kann, wie die Demonstrationen abliefen und was die Menschen dazu bewegte.

Mit Heiko Knorr und Ensemblemitgliedern des Theater Altenburg Gera:
Ines Buchmann, Bruno Beeke, Sebastian Schlicht, Thomas C. Zinke

Treffpunkt: Gedenkstätte Amthordurchgang

 

"Sonnensucher" (DEFA 1958, Verbotene Filme)

Sonntag, den 29.09.2019 um 14 Uhr, Film und Gespräch im METROPOL Kino Gera

Wismut 1950. Der Uranbergbau führt Menschen unterschiedlicher Art zusammen. Solche, die einen neuen Lebenssinn suchen, aber auch Abenteurer und Gestrandete. Zwei Frauen, bei einer Razzia in Berlin aufgegriffen, landen zwangsweise beim Bergbau. Das Mädchen Lutz, das schon früh als Waise das Leben von der härtesten Seite kennengelernt hat, und Emmi, die sich nach dem Krieg prostituierte, um zu überleben. Lutz verliebt sich in den Kumpel Günter, lebt einige Zeit mit ihm und verlässt ihn nach großer Enttäuschung. Doch auch der Obersteiger Franz Beier und der sowjetische Ingenieur Sergej bemühen sich um sie. Sie sind nicht nur im Ringen um das Mädchen Rivalen. Sergej, dessen Frau im Krieg von Deutschen ermordet wurde, misstraut Beier, der zwar mit seiner faschistischen Vergangenheit gebrochen hat, aber sich nicht zu diesem Teil seiner Vergangenheit bekennt. Lutz heiratet Beier, bei dem sie erstmals im Leben als Frau Achtung erfährt, aber sie entdeckt, dass sie in Wahrheit Sergej liebt. Der Film wurde 1958 verboten.

Moderation: Frank Karbstein

 

21. Geraer Museumsnacht

Am 30.08.2019 eröffneten wir die Wanderausstellung "Memory of Nation: Ja/Nein" im Rahmen der Geraer Museumsnacht auf dem Puschkinplatz. Die Wanderausstellung JA – NEIN (ANO-NE) erzählt Geschichten von zwölf Zeitzeugen aus sechs europäischen Ländern – Bulgarien, Tschechien, Ungarn, Deutschland, Polen und der Slowakei und wird bis zum 27.09.2019 täglich von 10 - 18 Uhr geöffnet sein.

Wie auch immer sie hieß - Státní bezpečnost, Ministerium für Staatssicherheit, Służba Bezpieczeństwa oder noch anders – diese Geheimpolizei half dem totalitären Regime, sich an der Macht zu halten. Die Zeitzeugen, die hier zu Wort kommen, bekamen ein direktes Angebot zu einem ihrer hauptamtlichen oder Inoffiziellen Mitarbeiter (IM) zu werden. Sie wurden oft mit falschen Versprechungen geködert oder unter Druck gesetzt. Oder sie waren überzeugt, für das richtige System zu arbeiten. Jeder der zwölf Protagonisten sollte sich entscheiden, ob er für das herrschende Regime arbeitet und sich dadurch das Leben in seinem unfreien Land zumeist leichter und angenehmer macht. Einige gaben nach und antworteten JA - ANO, andere fanden den Mut und sagten NEIN - NE.
Das Thema der Zusammenarbeit mit den repressiven Organen ist im ehemaligen Ostblock bis heute noch sehr lebendig . Zumeist kennen wir die Geschichten derjenigen, die die Zusammenarbeit ablehnten. Aber die Geschichten der anderen bleiben eher im Hintergrund und tauchen nur vereinzelt und mitunter allzu spektakulär in den Medien auf.
Um den kommunistischen Totalitarismus besser zu verstehen, ist es unserer Meinung nach wichtig, beide Entscheidungsmöglichkeiten zu betrachten. Auf beiden Seiten standen Menschen mit bestimmten Geschichten, inneren Beweggründen oder persönlichem Versagen. Wir sind froh, dass es gelungen ist, Zeitzeugen zu finden, die den Mut hatten, öffentlich über ihre Erfahrungen, wie auch immer sie aussehen, zu berichten. Dafür gebührt ihnen unser aufrichtiger Dank.

 

 

„Ihr seid das Salz der Erde“ – Die Offene Arbeit in der DDR als Raum für politische Bildung und Mündigwerdung

 

Donnerstag, 20.06.2019, 18 Uhr, Gedenkstätte Amthordurchgang e.V., Amthordurchgang 9, 07545 Gera

„Ihr seid das Salz der Erde“ – ein Zitat aus der Bibel, welches von Walter Schilling, einem der Protagonisten Offener Arbeit, in einem Aufsatz (2002) im Zusammenhang mit der Politisierung Offener Arbeit verwendet wurde, soll der Ausgangspunkt für Vortag und anschließende Diskussion am 20. Juni 2019, um 18 Uhr sein.

Die seit den 1970er Jahren entwickelte und umgesetzte Offene Arbeit (OA), als alternativer Ansatz der evangelischen Jugendarbeit, kann als Reaktion auf zwei Außenbedingungen: zum einen ein politisch festgesetztes und festsetzendes Bildungs- und Erziehungssystem und zum anderen eine zunehmende religionsferne Bevölkerung, gesehen werden.

Ausgangspunkt für die Diskussion war die Frage: „Wie hat sich in der OA politische Bildung und Mündigwerdung konkret gezeigt und welche Bedeutung hat das Erbe der OA für heutige Multiplikator*innen?“

Diskutant*innen:
Dr. Anne Stiebritz Lehrbeauftragte der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Christian Sanitter Leiter Jugendhaus Shalom Gera
Roland Geipel Oberpfarrer in Rente

Moderation: Frank Karbstein

 

Gedenkveranstaltung anlässlich des 20. Todestages von Jürgen Fuchs

Mittwoch, 08.05.2019, 18 Uhr, Gedenkstätte Amthordurchgang e.V., Amthordurchgang 9, 07545 Gera

„Sagen, was ist“, mit diesem Anspruch polarisierte Jürgen Fuchs schon früh. 1975 von der Jenaer Universität zwangsexmatrikuliert, nach der Biermann-Ausbürgerung 1976 für neun Monate in Stasi-U-Haft in Berlin-Hohenschönhausen inhaftiert, wurde er nach seiner Ausbürgerung ein viel beachteter Schriftsteller. Für seine wirkungsvolle Unterstützung der Bürgerrechtsbewegung in Osteuropa und der DDR galt er der SED-Führung als ein „Staatsfeind Nr.1“. Dafür wurde er in West-Berlin massiv vom Ministerium für Staatssicherheit bearbeitet.
Gleichzeitig wurde er hoch geachtet von einem großen Freundeskreis. Robert Havemann, Wolf Biermann, Heinrich Böll, Herta Müller und viele andere schätzten seine „Einmischung in eigene Angelegenheiten“ – auch nach 1990.

Udo Scheer, verbunden mit ihm seit ihrer Studienzeit an der Jenaer Universität, hat im Auftrag der Landeszentrale für politische Bildung Thüringen ein facettenreiches Portrait über den Schriftsteller, Bürgerrechtler und Sozialpsychologen verfasst. Er stellte den Band vor.

Der Folkmusiker Andreas Schirneck begleitete den Abend mit einem exklusiv gestalteten Programm, auch mit vertonten Gedichten von Jürgen Fuchs.

Eine Kooperationsveranstaltung mit der Landeszentrale für politische Bildung Thüringen.